Sarah Horn: Narrative Ordnungsmuster – ‚geordnetes‘ Geschlecht? Zur medialen Herstellung der Eindeutigkeit von Geschlecht und Strategien der Verunklarung in autobiografischen Erzählungen

Sarah Horn: Narrative Ordnungsmuster – ‚geordnetes‘ Geschlecht? Zur medialen Herstellung der Eindeutigkeit von Geschlecht und Strategien der Verunklarung in autobiografischen Erzählungen

Wenn in Kontexten von Trans*-Identitäten der (eigene) Körper zum Thema wird, was macht ihn zu einem ‚richtigen‘ oder ‚falschen‘? Wie verfestigt sich insbesondere in biografischen Erzählungen die Vorstellung, dass jede_r von uns über ein einziges, ‚wahres’ Geschlecht verfüge und auch, dass dieses über den Körper zum Ausdruck käme? Mit Rückgriff auf Überlegungen aus der Queer Theory werden am Beispiel der Tagebücher von Alexina Barbin und dem Dokumentarfilm She’s a boy I knew narrative Ordnungsmuster biografischer Erzählungen ebenso sichtbar wie Möglichkeiten einer Veruneindeutigung von Geschlecht.

Maxi Braun: „The goddamn Hope Diamond of transsexuals“. (Trans-)Sexualität in der US-amerikanischen Neoserie Nip/Tuck

Maxi Braun: „The goddamn Hope Diamond of transsexuals“. (Trans-)Sexualität in der US-amerikanischen Neoserie Nip/Tuck

Durch medizinischen und technologischen Fortschritt sehen wir uns mit einer neuen Kontingenz des Körpers konfrontiert, wodurch auch der Subjektbegriff in die Krise geraten ist. Die US-amerikanische Fernsehserie Nip/Tuck (2003-2010) reflektiert aufgrund des Sujets, der Narration und der filmischen Ästhetik dieses Spannungsverhältnis zwischen äußerer Hülle und innerem Kern. Anhand des in Nip/Tuck wiederkehrenden Motivs der Transsexualität zeigt der Artikel, wie die Serie den Subjektbegriff hinterfragt, dekonstruiert und ein neues neoserielles Subjekt präsentiert, das Körper und Selbst miteinander versöhnt.

Janine Wahrendorf: Gender Trouble im amerikanischen Fernsehen des 21. Jahrhunderts? Glee und das Spiel mit Geschlechtsidentitäten

Janine Wahrendorf: Gender Trouble im amerikanischen Fernsehen des 21. Jahrhunderts? Glee und das Spiel mit Geschlechtsidentitäten

Judith Butler formulierte Anfang der neunziger Jahre ihre Theorie der Heteronormativität und bezeichnete die Parodie als Möglichkeit, um Machtstrukturen offen zu legen und Binärismen aufzubrechen, das heißt, als Gender Trouble. Ob und wie die zeitgenössische Serie Glee diese Problematik über zwanzig Jahre später ebenfalls aufgreift, soll vor allem an der Figur des Kurt Hummel analysiert werden, um im Anschluss auf die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf „Homonormativität“ eingehen zu können.

Herbert Schwaab: Dancing King of Queens: Sitcom, Geschlecht und Betrachter

Herbert Schwaab: Dancing King of Queens: Sitcom, Geschlecht und Betrachter

Dieser Beitrag sieht die amerikanische Sitcom King of Queens (1998-2007) als einen gewöhnlichen Fernsehtext an, der nicht nur auf sehr komplexe Weise über den Betrachter des Fernsehens nachdenkt, sondern auch eine ästhetische Option einer positiv bestimmten Kindlichkeit der Fernsehrezeption vorführt. Diese von der Filmphilosophie Stanley Cavells hergeleitete Option formuliert einen Kontrast zu der Neigung des Fernsehens, seinen Zuschauer entweder negativ als kindlichen, unmündigen Zuschauer zu kennzeichnen, oder in Serien wie Lost und Sex and the City einen erwachsenen Zuschauer zu konstruieren, die mit der Verleugnung der Fernsehkultur und dessen Möglichkeiten einhergeht.

Heike Jaskolka: Zwischen weiblicher und männlicher Identität. Zum Selbstbild George Sands in ihren Briefen

Heike Jaskolka: Zwischen weiblicher und männlicher Identität. Zum Selbstbild George Sands in ihren Briefen

„Aber was für eine Vorstellung haben Sie denn von den Frauen, Sie, die Sie vom dritten Geschlecht sind?“, schrieb Gustave Flaubert im Jahre 1868 an George Sand. Nicht nur das Antwortschreiben sondern die gesamte Korrespondenz der Schriftstellerin gibt Aufschluss über ihr Frauenbild und offenbart gleichsam, wie sie sich selbst wahrnahm und wahrgenommen werden wollte. Die von Flaubert deklarierte Zuordnung zum „dritten Geschlecht“ evoziert dabei die Frage nach Sands eigener Verortung innerhalb der Geschlechtsidentitäten. Verstand sie sich selbst als „homme-femme“, als hermaphroditisches Wesen?

Sabrina Kühn: Jürgen Klaukes Self Performance

Sabrina Kühn: Jürgen Klaukes Self Performance

Die Fotosequenz Self Performance von 1972/73 ist eine bekannte und viel beachtete Arbeit des Frühwerks Jürgen Klaukes. In dreizehn Einzelfotografien inszeniert der Künstler in oft sehr drastischer Weise Körper und Geschlecht. Hierzu benutzt er zum Teil Kleidung und Make-up, um Weiblichkeitsmaskeraden zu erzeugen und seine Männlichkeit zu verundeutlichen. Das eigentliche irritierende Moment der Fotografien sind jedoch die zahlreichen Genitalprothesen, die der Geschlechterinszenierung oft groteske Züge verleihen. Zum Einsatz kommen kissenförmige Vaginalplastiken oder auch kleine bis riesenhaft vergrößerte Stoffhörner, die sowohl Phallusassoziationen zulassen, als auch an eine weibliche Brust erinnern.
Im Artikel soll der Geschlechterinszenierung nachgegangen werden, wobei ein Schwerpunkt auf der Analyse des Gebrauchs der Fotografie liegt. Bereits auf der Ebene der Darstellung wird mittels Maskerade, Genitalprothesen usf. ein Changieren zwischen den Geschlechtern, also ein geschlechtlich binär kodiertes Körperbild erzeugt. Diese Form einer Gleichzeitigkeit von Geschlechtlichkeit wird dabei auf medialer Ebene durch den Einsatz der Fotosequenz fortgesetzt. Die Mehrteiligkeit einer Fotosequenz kann zwar eine Narration bewirken, muß jedoch nicht zwangsläufig Linearität bedeuten. Viel häufiger erzeugt sie Formen von Gleichzeitigkeit des Dargestellten, so dass das Nebeneinander beider Geschlechter an einem Körper in Self Performance im Prinzip der Gleichzeitigkeit der Fotosequenz auf der medialen Ebene aufgegriffen und fortgeführt wird.

Véronique Vonier: Von der Graphic Novel zum Film – Postmoderne und die Repräsentation von Gender in Frank Millers Sin City

Véronique Vonier: Von der Graphic Novel zum Film – Postmoderne und die Repräsentation von Gender in Frank Millers Sin City

Aufgrund ihrer expliziten Darstellung von Gewalt und dem offensichtlichen klischeehaften, stereotypen Verhalten der sowohl männlichen als auch weiblichen Figuren, sorgte die Leinwandversion von Frank Millers Sin City Graphic Novels im Jahr 2005 auf Seiten der Kritiker gleichzeitig für Empörung und Begeisterung. In diesem Zusammenhang untersucht der hier vorzufindende Artikel die Repräsentation von Gender in Frank Millers kontrovers diskutiertem Film Sin City. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass es sich bei dieser Comicverfilmung um einen so genannten overtpostmodernen Film (Seidl o.J., 344) handelt, welcher sich durch die demonstrative zur Schau Stellung seiner eigenen Künstlichkeit auszeichnet und dessen offensichtlicher, aber auch innovativer Gebrauch digitaler Filmtechnik sowohl die graphischen Möglichkeiten des Mediums Comic als auch die technischen Möglichkeiten des Mediums Film offen zelebriert. Dabei wirkt sich der Aspekt der demonstrativen Künstlichkeit nicht nur auf die Ästhetik des Films, sondern auch auf die Repräsentation von Gender aus. Der vorliegende Artikel vertritt somit die These, dass im konkreten Fall von Frank Millers Sin City die postmoderne Art der Verfilmung nicht nur die Künstlichkeit der beiden Medien Comic (bzw. Graphic Novel) und Film hervorhebt, sondern auch die Künstlichkeit bzw. Konstruiertheit des repräsentierten Diskursproduktes Gender (Liebrand 2002, 256) demonstrativ zur Schau stellt.