Stefanie Raible: „Grooming for Guys“ – Männliches Schönheitshandeln in Barber Shops

Stefanie Raible: „Grooming for Guys“ – Männliches Schönheitshandeln in Barber Shops

Barber Shops sind kulturelle Phänomen im deutschsprachigen Raum, die sich medialer Beliebtheit erfreuen und als Trends u.a. in diversen Zeitschriften und Magazinen rezipiert werden. Anhand einer Website-Analyse wird gezeigt, wie sie sich als „Rückzugsort nur für Männer“ inszenieren. Folglich stellt sich die Frage, wie in einem von männlicher Kodierung nur so strotzenden Diskurs männliches Schönheitshandeln verhandelt wird. Zudem soll gezeigt werden, wie sich diese Diskurse in gesamtgesellschaftliche Diskurse, etwa der neoliberalen Selbstoptimierung oder einer Krise der Männlichkeit, einfügen lassen. Jene krisenhafte Männlichkeit, die hier produziert wird, zeigt sich dabei gerade als tendenziell hegemoniale, weiße, bürgerliche Männlichkeit.

Stephanie Heimgartner, Simone Sauer-Kretschmer: Reproduktionen des Ungeborenen. Zwei Sammelbände beschäftigen sich mit den sichtbaren sowie unsichtbaren Konsequenzen von Schwangerschaft

Stephanie Heimgartner, Simone Sauer-Kretschmer: Reproduktionen des Ungeborenen. Zwei Sammelbände beschäftigen sich mit den sichtbaren sowie unsichtbaren Konsequenzen von Schwangerschaft

Der Beitrag bespricht zwei wissenschaftliche Sammelbände, die sich sowohl aus medienkomparatistischer als auch aus kulturwissenschaftlicher und historischer Perspektive mit Schwangerschaft beschäftigen. Dabei liegt der Fokus von Reproductive Rights Issues in Popular Media von Waltraud Maierhofer und Beth Widmaier Capo auf der zeitgenössischen medialen Darstellung und künstlerischen Adaption von Fragen zur Verhütung, Abtreibung und Schwangerschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei Beispiele der gegenwärtigen Populärkultur mit internationalem Fokus. Der von Urte Helduser und Burkhard Dohm herausgegebene Band Imaginationen des Ungeborenen erarbeitet hingegen einen historischen Wissensdiskurs zur vorgeburtlichen Prägung des Ungeborenen, der auf die prominente Gefahr des Sich-Versehens durch die Mutter zurückgeht, wodurch die Vorsorgepflicht der Schwangeren gegenüber dem Ungeborenen eine neue, sich gerade heute noch stetig ausweitende, Dimension erhält.

Alexander Flaß: “I Am Odysseus, But I Have Been Penelope”: Corporeal Feminism in Siri Hustvedt’s The Blazing World

Alexander Flaß: “I Am Odysseus, But I Have Been Penelope”: Corporeal Feminism in Siri Hustvedt’s The Blazing World

Siri Hustvedt’s latest novel to date presents the story of Harriet Burden, a muted artist that is literally burdened with a gender bias inherent in New York’s art world. Crafted as an academic investigation, the narrative accentuates the philosophical significance of phenomenology for feminist projects of cultural and social criticism and their respective takes on gender. As I will suggest, by focusing on the interplay of bodily processes and cultural classification in ordinary experience, Hustvedt’s text joins corporeal feminist positions on embodiment that take issues with the tenets associated with poststructuralist thought, from its bedrock belief in discourse to ‘the body as text’-paradigm. Rather, The Blazing World draws upon phenomenological body-concepts, particularly Merleau-Ponty’s theory of embodied perception, in order to make explicit what remains implicit in social interaction. In leaving behind a nature/culture dichotomy, the novel carefully investigates the dynamics of embodied experience and social categories. In doing so, it follows corporeal feminists in their attempts to develop a nuanced understanding where notions of agency can be found and at what level (social) change may occur.

Rebecca Kaplan: Non-Normative Sex and Bodies in Game of Thrones: How ‘Extreme’ Bodies Question the Nature of Sex and Sexual Images

Rebecca Kaplan: Non-Normative Sex and Bodies in Game of Thrones: How ‘Extreme’ Bodies Question the Nature of Sex and Sexual Images

In this article, I examine how Game of Thrones adapts its cinematography and narrative to incorporate non-normative bodies into sexual story arcs and the implications regarding the mediated nature of sex and sex myths of moments which conform or do not conform to traditional sex scenes. Sex and romance arcs with characters of physical difference, such as a dwarf or a castrated soldier, complicate the assumed importance of the erect penis and penetrative sex. This paper examines how the show depicts or ignores non-penetrative forms of sex, female pleasure, and reciprocal relationships between able-bodied women and physically impaired men.

Mary Shnayien: „There’s a better version of you out there.“ Überwachung, Personalisierung und die Sorge um sich im Selbstversuch

Mary Shnayien: „There's a better version of you out there.“ Überwachung, Personalisierung und die Sorge um sich im Selbstversuch

In einem Selbstversuch testet die Autorin das Fitnessarmband UP der Firma Jawbone, das auf Basis gesammelter Daten personalisierte Ernährungs-, Schlaf- und Sportempfehlungen ausgeben kann, und zeichnet ihre Erfahrungen mit dem UP-System auf. Dabei wird Personalisierung sowohl als Technologie des Selbst als auch als Überwachungstechnologie bestimmt und die sich an dieser Intersektion ineinander verschränkenden Begehren, Wünsche und Ängste kartographiert.

Philipp Hanke: Strategien der Entkörperlichung. Biopolitische Prekarität und filmische Handlungsmacht in den Filmen von Todd Haynes 

Philipp Hanke: Strategien der Entkörperlichung. Biopolitische Prekarität und filmische Handlungsmacht in den Filmen von Todd Haynes 

An den Frauenfiguren des amerikanischen Filmemachers Todd Haynes scheinen sich Formen subjektivierten Leidens und biopolitischer Prekarität exemplarisch zeigen zu lassen. Als Ergebnis normierender und diskriminierender Unterdrückung drohen die Frauenfiguren – auch auf sehr körperliche Weise – zu verschwinden. Ein genauerer Blick auf queere Blickweisen, filmästhetische Subversion und einen allegorisch-metaphorischen Umgang mit politisch aufgeladenen Themen wie Identität, Krankheit, Geschlecht und Rassismus lässt jedoch die Ambivalenz dieser Entkörperlichung und Momente möglicher Handlungsmacht hervortreten.

Maxi Braun: „The goddamn Hope Diamond of transsexuals“. (Trans-)Sexualität in der US-amerikanischen Neoserie Nip/Tuck

Maxi Braun: „The goddamn Hope Diamond of transsexuals“. (Trans-)Sexualität in der US-amerikanischen Neoserie Nip/Tuck

Durch medizinischen und technologischen Fortschritt sehen wir uns mit einer neuen Kontingenz des Körpers konfrontiert, wodurch auch der Subjektbegriff in die Krise geraten ist. Die US-amerikanische Fernsehserie Nip/Tuck (2003-2010) reflektiert aufgrund des Sujets, der Narration und der filmischen Ästhetik dieses Spannungsverhältnis zwischen äußerer Hülle und innerem Kern. Anhand des in Nip/Tuck wiederkehrenden Motivs der Transsexualität zeigt der Artikel, wie die Serie den Subjektbegriff hinterfragt, dekonstruiert und ein neues neoserielles Subjekt präsentiert, das Körper und Selbst miteinander versöhnt.