Jasmin Degeling, Sarah Horn: „Queer“ aufs Spiel gesetzt: Über Beißreflexe, queere Bewegungsgeschichte und gegenwärtige Affektkulturen

Jasmin Degeling, Sarah Horn: „Queer“ aufs Spiel gesetzt: Über Beißreflexe, queere Bewegungsgeschichte und gegenwärtige Affektkulturen

Welche Zukunft hat „queer“? Die jüngste Debatte um das Potential der Queer Theory im deutschsprachigen Raum, maßgeblich angestoßen durch den
Sammelband Beissreflexe, erscheint geprägt von einer „Kritik an queerem Aktivismus und autoritären Sehnsüchten“, die sich wenig mit queerer
Theoriebildung auseinandersetzt, und sich gleichzeitig als anschlussfähig an gegenwärtige Populismen und antifeministische Ressentiments erweist. Der Artikel geht den Affektpolitiken nach, die in diesen Communities und medialen Gefügen aufgerufen werden, und versucht über eine entsprechende Situierung der einzelnen Beiträge und ihrer
Argumente mittels Queer Theory eine kritische Aufarbeitung der derzeitigen Debatte.

Pia Blank, Robin Quader, Charlotte Rohde: “Ihr glaubt mir nicht.“: ein Ort, viele Realitäten.

Pia Blank, Robin Quader, Charlotte Rohde: “Ihr glaubt mir nicht.“: ein Ort, viele Realitäten.

Der Dortmunder Norden verzeichnet die Geschichte der Migrationsbewegungen des Ruhrgebiets. Er gilt als sozialer Brennpunkt, und wird daher zum Ziel von Ordnungs- und Biopolitiken, die ihn als „kriminogenen Ort“ definieren. Im Gespräch mit zwei Bewohnern der Dortmunder Nordstadt wird der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem rassistischen Ausnahmezustand in diesem Stadtteil unternommen: Anhand eines konkreten Anlasses im Oktober 2017, bei welchem linke Proteste gegen als rassistisch kritisierte Polizeikontrollen zu mehreren Verhaftungen führten und eine lokale Debatte auslösten, die seismographisch den zeitgenössischen Diskurs um Sicherheit und Ordnung, Migration und die damit verbundenen Politiken verzeichnete, versucht dieser Artikel die Debatte zu verknüpfen mit Erfahrungen des alltäglichen Erlebens und Überlebens in der Stadt. Die differenten Perspektiven und Erfahrungen des Alltags erweisen sich dabei als verflochten mit der stadträumlichen und sozialen Segregation. Gerade aufgrund dieser Differenzen stellt sich die Frage, wie die je situierten Erfahrungen solcher gegenwärtigen sozialen Realitäten zusammengeführt, und der strukturellen Unsichtbarkeit dieser entgegengewirkt werden kann.

Alexander Kurunczi: Reassessing the Riots: Navigating Capitalism, Complicity, and Resistance

Alexander Kurunczi: Reassessing the Riots: Navigating Capitalism, Complicity, and Resistance

Michael Hardt and Antonio Negri conceive of neoliberal biopolitics as a deterritorialised and deindividualised instrument of influence on society in general and its subjects in particular. They postulate that complicity with neoliberal economic imperatives is inevitably induced by the forms of subjectivisation. In response to these analyses, which delineate the ineluctability of commodification and consumerist logic, this paper suggests that the London Riots of 2011 offer an anti-complicit – and local – protest which disavows the parameters of contemporary capitalist epistemology. In their specific disruption the riots respond to processes of subjectivisation; they cannot be limited to a mode of “destructive violence” (Žižek), bereft of any political dimension. The riots defied the logics of racial, class-related, and gendered intelligibility so pivotal for neoliberal regimes of power and punishment, while offering both, the perspective and the voice of the abjected and socio-economically stigmatised underclass. Their divergence from established hierarchically organised forms of protest, therefore, further enabled a conceptualisation of the members of this so-called underclass as potentially revolting subjects of a newly constituted “class for itself.” Transcending leftist male-dominated discourses, the protests demonstrate the heterogeneity of marginalised subaltern groups, instead of letting a particular group represent them and speak for them.

Teilnehmer_innen des Seminars Antirassistische Protestvideos: Essays zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Teilnehmer_innen des Seminars Antirassistische Protestvideos: Essays zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Jasmin Brock: Radiofeature zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Studierende der Medienwissenschaft und der Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum haben im Rahmen einer Exkursion des Instituts für Medienwissenschaft, unter Leitung von Anja Michaelsen, am Tribunal NSU-Komplex auflösen, 17.-21. Mai 2017 im Schauspiel Köln und an verschiedenen dezentralen Orten in Köln, teilgenommen und in Essays ihre Eindrücke zur Inszenierung und den politischen Inhalten formuliert. Ein bundesweites Bündnis aus antirassistischen Initiativen, Einzelpersonen und Betroffenen, Überlebenden und Angehörigen, der NSU-Mord- und Anschlagserie hatte die mehrtägige Veranstaltung organisiert, um die Leerstelle zu füllen, die der sogenannte NSU-Prozess am Münchner Oberlandesgericht hinterlässt. Da dieser nicht die erhoffte „lückenlose Aufklärung“ leistet, haben es sich die Organisator_innen des Tribunals zur Aufgabe gemacht, durch Workshops, Konzerte, Videos, Theaterstücke, Ausstellungen und ein diskursives Hauptprogramm, Rassismus in seinen institutionellen, strukturellen und gesellschaftlichen Dimensionen zu verdeutlichen und vor allem, den Betroffenen einen Rahmen zu bieten, innerhalb dessen ihnen von einer großen Öffentlichkeit zugehört wird. Die deutsche Migrationsgeschichte, Nazistrukturen, die staatliche Involvierung, die Bedeutung der Medien, der Prozess und die zahlreichen und langjährigen Kämpfe antirassistischen Widerstands wurden, häufig ausgehend von Zeug_innenberichten, diskutiert. Abschließend wurde eine Anklageschrift vorgestellt, die umfassend den rassistischen Strukturen des NSU-Komplex’ Rechnung trägt. Die vollständige Anklage ist auf der Website des Tribunals http://www.nsu-tribunal.de/ nachzulesen.
Im Anschluss an das Seminar ist ein Radiofeature von Jasmin Brock entstanden. Für ct das Radio, das Campusradio der RUB, wurden O-Tönen vom Tribunal und Interviews mit einigen Teilnehmer_innen der Exkursion zusammengestellt.

Max Rehmet: Incarceration and the African American Family in the Films of Charles Burnett

Max Rehmet: Incarceration and the African American Family in the Films of Charles Burnett

Incarceration poses a disproportionate threat to African Americans. A popular conception is that the family structure of African Americans is to blame. The demonisation of matriarchal family structures was influenced by the Moynihan Report from 1965 and has since not only been reiterated by conservative commentators but also by representations of black families in film and television. Charles Burnett’s strategy of representation manages to address the sensitive issue of incarceration among African Americans without exploiting the image of violent young black men. Rather than focusing on ‘pathology’ Burnett portrays the complexity of the African American family, while drawing attention to external reasons for its vulnerability.

Maximilian Busch: Gespräche über Race, Class, Gender in Israel/Palästina

Maximilian Busch: Gespräche über Race, Class, Gender in Israel/Palästina

Der Nahostkonflikt besitzt eine so starke Durchdringungskraft, dass er andere Konfliktlinien häufig überdeckt. Auf Basis von Erfahrungen und Gesprächen in Israel und Palästina versucht diese Arbeit nachzuzeichnen, auf welche Art die Kategorien Race, Class und Gender an der Formation der Streitlinie Palästina/Israel beteiligt sind.