Alexander Kurunczi: Reassessing the Riots: Navigating Capitalism, Complicity, and Resistance

Alexander Kurunczi: Reassessing the Riots: Navigating Capitalism, Complicity, and Resistance

Michael Hardt and Antonio Negri conceive of neoliberal biopolitics as a deterritorialised and deindividualised instrument of influence on society in general and its subjects in particular. They postulate that complicity with neoliberal economic imperatives is inevitably induced by the forms of subjectivisation. In response to these analyses, which delineate the ineluctability of commodification and consumerist logic, this paper suggests that the London Riots of 2011 offer an anti-complicit – and local – protest which disavows the parameters of contemporary capitalist epistemology. In their specific disruption the riots respond to processes of subjectivisation; they cannot be limited to a mode of “destructive violence” (Žižek), bereft of any political dimension. The riots defied the logics of racial, class-related, and gendered intelligibility so pivotal for neoliberal regimes of power and punishment, while offering both, the perspective and the voice of the abjected and socio-economically stigmatised underclass. Their divergence from established hierarchically organised forms of protest, therefore, further enabled a conceptualisation of the members of this so-called underclass as potentially revolting subjects of a newly constituted “class for itself.” Transcending leftist male-dominated discourses, the protests demonstrate the heterogeneity of marginalised subaltern groups, instead of letting a particular group represent them and speak for them.

Teilnehmer_innen des Seminars Antirassistische Protestvideos: Essays zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Teilnehmer_innen des Seminars Antirassistische Protestvideos: Essays zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Jasmin Brock: Radiofeature zum Tribunal NSU-Komplex auflösen

Studierende der Medienwissenschaft und der Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum haben im Rahmen einer Exkursion des Instituts für Medienwissenschaft, unter Leitung von Anja Michaelsen, am Tribunal NSU-Komplex auflösen, 17.-21. Mai 2017 im Schauspiel Köln und an verschiedenen dezentralen Orten in Köln, teilgenommen und in Essays ihre Eindrücke zur Inszenierung und den politischen Inhalten formuliert. Ein bundesweites Bündnis aus antirassistischen Initiativen, Einzelpersonen und Betroffenen, Überlebenden und Angehörigen, der NSU-Mord- und Anschlagserie hatte die mehrtägige Veranstaltung organisiert, um die Leerstelle zu füllen, die der sogenannte NSU-Prozess am Münchner Oberlandesgericht hinterlässt. Da dieser nicht die erhoffte „lückenlose Aufklärung“ leistet, haben es sich die Organisator_innen des Tribunals zur Aufgabe gemacht, durch Workshops, Konzerte, Videos, Theaterstücke, Ausstellungen und ein diskursives Hauptprogramm, Rassismus in seinen institutionellen, strukturellen und gesellschaftlichen Dimensionen zu verdeutlichen und vor allem, den Betroffenen einen Rahmen zu bieten, innerhalb dessen ihnen von einer großen Öffentlichkeit zugehört wird. Die deutsche Migrationsgeschichte, Nazistrukturen, die staatliche Involvierung, die Bedeutung der Medien, der Prozess und die zahlreichen und langjährigen Kämpfe antirassistischen Widerstands wurden, häufig ausgehend von Zeug_innenberichten, diskutiert. Abschließend wurde eine Anklageschrift vorgestellt, die umfassend den rassistischen Strukturen des NSU-Komplex’ Rechnung trägt. Die vollständige Anklage ist auf der Website des Tribunals http://www.nsu-tribunal.de/ nachzulesen.
Im Anschluss an das Seminar ist ein Radiofeature von Jasmin Brock entstanden. Für ct das Radio, das Campusradio der RUB, wurden O-Tönen vom Tribunal und Interviews mit einigen Teilnehmer_innen der Exkursion zusammengestellt.

Max Rehmet: Incarceration and the African American Family in the Films of Charles Burnett

Max Rehmet: Incarceration and the African American Family in the Films of Charles Burnett

Incarceration poses a disproportionate threat to African Americans. A popular conception is that the family structure of African Americans is to blame. The demonisation of matriarchal family structures was influenced by the Moynihan Report from 1965 and has since not only been reiterated by conservative commentators but also by representations of black families in film and television. Charles Burnett’s strategy of representation manages to address the sensitive issue of incarceration among African Americans without exploiting the image of violent young black men. Rather than focusing on ‘pathology’ Burnett portrays the complexity of the African American family, while drawing attention to external reasons for its vulnerability.

Maximilian Busch: Gespräche über Race, Class, Gender in Israel/Palästina

Maximilian Busch: Gespräche über Race, Class, Gender in Israel/Palästina

Der Nahostkonflikt besitzt eine so starke Durchdringungskraft, dass er andere Konfliktlinien häufig überdeckt. Auf Basis von Erfahrungen und Gesprächen in Israel und Palästina versucht diese Arbeit nachzuzeichnen, auf welche Art die Kategorien Race, Class und Gender an der Formation der Streitlinie Palästina/Israel beteiligt sind.

Anja Michaelsen, Masayo Kajimura: Zur beruhigenden Gleichzeitigkeit verschiedener Realitäten. Ein Gespräch mit Masayo Kajimura und Statements von Monira Al Qadiri, Jeanno Gaussi und Sookoon Ang

Anja Michaelsen, Masayo Kajimura: Zur beruhigenden Gleichzeitigkeit verschiedener Realitäten. Ein Gespräch mit Masayo Kajimura und Statements von Monira Al Qadiri, Jeanno Gaussi und Sookoon Ang

Masayo Kajimura und Anja Michaelsen sprechen, ausgehend von Kajimuras eigener künstlerischer und kuratorischer Arbeit, über den Zusammenhang zwischen audiovisuellen Mitteln und Affizierung. Kajimura hat im Juni 2013 im C60 Collaboratorium für kulturelle Praxis, Bochum, eine mehrteilige Veranstaltungsreihe [Gefühle zeigen] Materialität, Transkulturalität und Öffentlichkeit im Experimentalfilm aktuelle europäische und asiatische Videokunst vorgestellt. Im Gespräch hier erläutert sie ihre Ästhetik paralleler Wirklichkeiten und was ein genaues Hinsehen mit einer migrantischen Situation zu tun hat. Ergänzt wird das Gespräch durch Statements dreier Künstlerinnen zu Entstehung, Ästhetik und Konzept der Videos, die im Rahmen der Reihe gezeigt wurden: Monira Al Qadiri gibt Auskunft zu Oh torment (Wa waila) (Kuwait 2008), Jeanno Gaussi zu Three Notes (Deutschland/Afghanistan 2007) und Sookoon Ang zu Xiao Fu (Singapur 2009).

Nguyen Tan Hoang: I Got This Way from Eating Rice. Schwule asiatische Dokumentationen und die Umerziehung von Begehren

Nguyen Tan Hoang: I Got This Way from Eating Rice. Schwule asiatische Dokumentationen und die Umerziehung von Begehren

Dieser Artikel untersucht eine Gruppe experimenteller Dokumentationen schwuler asiatischer diasporischer Künstler in den 1990ern. Als Teil eines politischen Projektes um die Konstruktion schwuler asiatischer Männer als feminisiert, passiv und unter internalisiertem Rassismus leidend, versuchen diese Videos schwule asiatische Subjekte umzuerziehen, um die Passivität und Objektivierung, die in ‚interrassischen’ (weiß-asiatischen) Beziehungen vorausgesetzt wird, zurückzuweisen, zugunsten einer politischen Ermächtigung, begründet in gleichberechtigten (asiatisch-asiatischen) sticky rice-Beziehungen. Der Artikel argumentiert, in Gegenüberstellung der Analyse dieser Dokumentationen und einer Diskussion asiatischer lesbischer experimenteller Videos, dass die lesbischen Videos den disziplinierenden Drang der sticky rice-Dokumentationen herausfordern, indem sie die widerspenstigen Affekte von bottomhood und das Vergnügen an Unterwerfung erkunden. Mit dieser Behauptung anerkennt der Artikel die wichtige Intervention schwuler asiatischer Dokumentationen in rassifizierte sexuelle Repräsentationen; zugleich verweist er jedoch auf das Problem, für sexuelles Begehren Gesetze erlassen zu wollen und auf die Grenzen der Privilegierung von ‚Rasse’ über andere Modalitäten sozialer Differenz wie Klasse und Nationalität.